Politik

Kommunikationschaos im Kanzleramt – Merz verliert Kontrolle über eigene Botschaften

today27. November 2025

Hintergrund
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Während der meteorologische Winter vor der Tür steht, endet mit ihm offiziell der von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgerufene „Herbst der Reformen“. Doch statt politischer Klarheit prägten vor allem laute Debatten und kommunikative Fehltritte die vergangenen Monate. Beobachter sehen die Ursache dafür zunehmend im Kanzler selbst: Seine Reformziele geraten immer wieder im selbst erzeugten Lärm ins Hintertreffen.

Politische Vorhaben im Schatten rhetorischer Fehltritte

Merz präsentiert sich gerne als jemand, der offen und frei heraus spricht – ein Stil, den viele nach den nüchternen Scholz-Jahren zunächst als erfrischend empfanden. Doch die Kehrseite wird immer deutlicher: Unbedachte Kommentare führen regelmäßig zu Kontroversen und übertönen die Inhalte seiner Politik. Aussagen wie die über das „ordentliche Stück Brot“ im Ausland oder pauschalisierende Formulierungen zur Migration entfalten enorme Wirkung, ohne dass der Kanzler sie rechtzeitig präzisiert oder korrigiert. Damit gehen politische Botschaften verloren, bevor sie überhaupt verstanden werden.

Migration: Sachliche Erfolge, laute Debatte

Besonders sichtbar wurde das Problem jüngst beim Thema irreguläre Migration. Tatsächlich sind die Zahlen rückläufig – ein Erfolg, der sowohl auf Maßnahmen der aktuellen Regierung als auch der Vorgänger zurückgeht. Doch statt diesen Fortschritt kommunikativ zu nutzen, löste Merz mit seiner Formulierung vom „Problem im Stadtbild“ eine breite Empörungswelle aus. Sein späterer Verweis auf die „Töchter“ verlängerte die Debatte zusätzlich. Die Folge: Die Aufmerksamkeit richtete sich nicht auf politische Ergebnisse, sondern auf die Kontroverse.

Wichtige Botschaften verhallen in der Öffentlichkeit

Der Kommunikationslärm hat inzwischen Konsequenzen. Bei einer Rede über die Einwanderungsgesellschaft blieben sogar Stipendiaten der Deutschlandstiftung Integration fern – aus Protest. Gleichzeitig ging unter, dass Merz dort differenzierte und teilweise selbstkritische Worte wählte. Die eigentlichen Inhalte verpufften, weil die Debatte längst von der Kritik an seiner Sprache bestimmt war. Experten warnen: Solange der Kanzler seine eigene rhetorische Direktheit nicht im Griff hat, bleiben seine Reformziele für viele Bürger kaum erkennbar.

Geschrieben von: Matthias Masnata

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