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Generationenkonflikt? Warum der Graben zwischen Jung und Alt nur ein Mythos ist

today28. Oktober 2025 5

Hintergrund
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Vier Generationen ein Arbeitsplatz

Konstanz  Auf dem modernen Arbeitsmarkt trafen derzeit vier Generationen aufeinander: Baby Boomer, Generation X, Y und Z. Ein explosives Gemisch? Viele dachten das vor allem, wenn junge Führungskräfte auf erfahrene Kollegen trafen, berichten Medien. Doch Sozialforscher und Arbeitsmarktexperten widersprachen dem Bild vom unüberbrückbaren Generationengraben entschieden. Laut einer Untersuchung der Universität Konstanz und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) seien die angeblichen Konflikte mehr Mythos als Realität.

Daten statt Vorurteile

Der Sozialforscher Kilian Hampel und Arbeitsmarktexperte Timon Hellwagner widerlegten gleich mehrere gängige Klischees: Die Generation Z, oft als faul und sprunghaft verschrien, sei im Gegenteil so aktiv wie seit Jahrzehnten keine Altersgruppe mehr. Zwischen 2015 und 2023 sei die Zahl der 20- bis 24-Jährigen, die sich aktiv am Arbeitsmarkt beteiligten, um sechs Prozentpunkte gestiegen drei von vier arbeiteten oder suchten aktiv nach Arbeit.

Auch das Vorurteil, die Jüngeren wollten nur noch eine Vier-Tage-Woche im Homeoffice, hielt der Realität nicht stand. Tatsächlich näherten sich die Wünsche aller Altersgruppen an weniger Arbeitszeit, mehr Flexibilität, mehr Work-Life-Balance. „Das ist keine Frage des Alters“, so Hampel. Zudem hätten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aller Generationen zuletzt so viele Überstunden geleistet wie nie zuvor.

Gemeinsame Werte, unterschiedliche Wege

Ob jung oder alt entscheidend sei nicht das Geburtsjahr, sondern die Unternehmenskultur, betonte Hampel. Teams, in denen verschiedene Altersgruppen zusammenarbeiteten, seien langfristig produktiver und kreativer. Wichtig sei, Raum für offenen Austausch zu schaffen: Wenn Jung und Alt über ihre Werte und Arbeitsstile sprächen, schwinde das Misstrauen.
„Reibung ist nichts Negatives sie kann Innovation fördern, wenn sie richtig moderiert wird“, sagte Hampel. Entscheidend sei die Führungskraft, die zwischen den Generationen vermittle.

Sein Fazit: Die wahren Konflikte in Betrieben hätten weniger mit Alter als mit Kommunikation zu tun. Statt Gräben zu ziehen, sollten Unternehmen Brücken bauen zwischen Erfahrung und neuen Ideen.

Kommentar

Das Narrativ vom „Kampf der Generationen“ hat sich gut verkauft in Talkshows, in Schlagzeilen, in Pausengesprächen. Doch es lenkt ab vom Wesentlichen: mangelnder Dialog, schlechte Führung und starre Strukturen. Junge Menschen sind nicht faul, Ältere nicht stur beide wollen Sinn, Sicherheit und Respekt. Wer das versteht, löst keine Generationenkonflikte, sondern schafft Zukunft.

Geschrieben von: Florian Jäger

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