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Wohnungsnot trifft auf eiskalte Betrüger – Ghost-Besichtigungen erreichen neue Dimension

today30. November 2025

Hintergrund
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Die Betrugswelle auf dem Wohnungsmarkt rollt weiter – und sie wird immer gnadenloser. Neue interne Zuspielungen, die dem HörfunkBund exklusiv vorliegen, belegen: Auch Ostwestfalen ist inzwischen massiv von sogenannten Ghost-Besichtigungen betroffen. Dabei geben sich Kriminelle als Vermieter aus, kassieren hohe Vorauszahlungen – und verschwinden dann spurlos.

Was früher als Randphänomen galt, ist mittlerweile ein flächendeckendes Problem geworden. Gerade Regionen mit angespannter Wohnlage wie Ostwestfalen sind zur Zielscheibe geworden. Die Masche ist so einfach wie perfide: Top-sanierte Wohnungen, professionelle Fotos, verlockende Preise. Dazu freundlich wirkende Vermieter, die angeblich im Ausland sind oder „leider keine Zeit“ für persönliche Termine haben.


Eine Betroffene aus der Region packt aus – wir nennen sie Marlene

Eine Frau aus dem Kreis Lippe – aus Sicherheitsgründen nennen wir sie Marlene – hat sich beim HörfunkBund gemeldet. Ihr Fall lässt erahnen, wie tief der Betrug und die emotionale Belastung gehen können.

Es sah so echt aus… alles! Die Fotos, die Texte, sogar der angebliche Mietvertrag“, erzählt Marlene mit brüchiger Stimme. „Ich dachte wirklich, ich hab endlich eine Wohnung gefunden.

Doch es kam anders: Der vermeintliche Vermieter verlangte eine Vorauszahlung – Kaution, eine Reservierungsgebühr und die erste Miete. Insgesamt 3.210 Euro. Ein Betrag, den Marlene unter Druck zahlte.

Ich wollte nicht, dass man mir die Wohnung wegschnappt. Es klang so glaubwürdig, und ich war verzweifelt genug, sagt sie. „Dann kam der Tag der Besichtigung… und niemand ist aufgetaucht. Da wurde mir klar: Ich bin reingefallen.

Seitdem hat Marlene panische Angst.
Ich habe meine Daten geschickt, meine Adresse, alles. Ich weiß nicht, was sie damit machen. Ich habe Angst, dass diese Leute irgendwann vor meiner Tür stehen.


Kriminelle nutzen Druck und Verzweiflung aus

Die dem HörfunkBund vorliegenden Unterlagen zeigen, wie systematisch die Täter vorgehen. Immer wieder taucht dasselbe Muster auf: Drängen, emotionaler Druck, vermeintliche „Schnäppchen“ und der Versuch, möglichst schnell Geld zu kassieren.

Es war wie ein Countdown in meinem Kopf. Entweder zahlen oder die Wohnung ist weg.
So beschreibt Marlene das Gefühl, das die Betrüger bewusst erzeugen.


Ostwestfalen wird zum Brennpunkt

Laut den vorliegenden Dokumenten steigen die Fälle in Deutschland.

Dort werden Suchende mit identischen Bildern und Textbausteinen gelockt – oft mit Wohnungen, die in Wirklichkeit nie existiert haben.

Ein Ermittler, der anonym bleiben möchte, bestätigt gegenüber dem HörfunkBund:
„Das ist organisierte Kriminalität. Kein Einzeltäter, sondern professionelle Strukturen, die europaweit agieren.“


„Ich vertraue niemandem mehr“ – Marlenes Leben seit dem Betrug

Der finanzielle Schaden ist hart – aber der psychische wiegt für Marlene schwerer:
Ich kann nachts nicht schlafen. Jede Mail, die ich bekomme, macht mir Angst. Ich denke immer wieder: Was, wenn die meine Daten weiterverkaufen?

Sie überlegt, ihren Wohnort zu wechseln, weil sie sich nicht mehr sicher fühlt.
Ich habe mich so hilflos gefühlt. Und ich schäme mich, obwohl ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin.


Experten warnen: Die Masche wird immer raffinierter

Verbraucherschützer sprechen von der gefährlichsten Betrugswelle seit Jahren. Besonders perfide: Manche Täter nutzen sogar Video-Besichtigungen oder KI-generierte Vermieterprofile, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.

„Die Täter wissen ganz genau, wie verzweifelt viele Suchende sind“, sagt ein Verbraucherschutzberater. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt macht sie angreifbar.“


Fazit: Eine Betrugswelle mit realen Opfern – und Ostwestfalen mitten drin

Der Fall von Marlene ist kein Einzelfall – sondern ein Zeichen dafür, dass die Betrugsmasche längst in der Mitte des Landes angekommen ist.
Es sind nicht nur verlorene Euros, sondern verlorenes Vertrauen, verlorene Sicherheit und verlorene Hoffnung.

Marlene sagt zum Schluss einen Satz, der im Kopf bleibt:
Ich hoffe, dass niemand anderes durchmachen muss, was mir passiert ist.

Geschrieben von: stanley.dost

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